Kommentar: Sportunterricht um jeden Preis

Masken schützen den Träger und seine Mitmenschen vor Infektionskrankheiten. Das ist so. Punkt. Seit etwa 150 Jahren ist das bekannt. Auch für die Infektion mit SARS-CoV-2 gilt das: Das haben viele internationale Studien nachgewiesen. Ein ansehnliches Beispiel für Deutschland: Jena war eine der letzten Städte im Frühjahr ohne eine Coronainfektion. Es war die erste Stadt, welche die Maskenpflicht im Öffentlichen Personennahverkehr eingeführt hatte. Es geht mir also gar nicht darum, die Wirksamkeit der Masken in Zweifel zu ziehen, noch die teils abstrusen Behauptungen einiger selbsternannter Coronaskeptiker zu kommentieren. Naja, zumindest jetzt nicht. Viel mehr geht es mir um etwas anderes:

In letzter Zeit werden mir von Schülern und Eltern vermehrt äußerst unangenehme Erlebnisse im Sportunterricht zugetragen, die man unter der Überschrift „Sportunterricht um jeden Preis“ zusammenfassen könnte. Im Kern das Element des Anstoßes: Maskenpflicht im Sportunterricht – drinnen wie draußen. Da ist zum Beispiel der Bericht einer Mutter, deren Kind mit Maske bei Temperaturen um die 10 Grad mit der Klasse Joggen geschickt wird. Eine vernünftige Begründung für so eine Unterrichtsmethode zu finden, fällt mir schwer. Zwar sind Masken je nach Fabrikat auch bei längerem Tragen nicht gesundheitsschädlich, die falsche Anwendung aber kann aber genau dazu führen. Das Aufzwingen einer Maske für untrainierte Kinder bei Ausdauersport ist aus meiner Sicht genau eine solche Falschanwendung. Machen wir uns das mal am obigen Beispiel deutlich: Kinder haben naturgemäß ein deutlich geringeres Atemzugvolumen als Erwachsene. Das bedeutet, dass sie weniger frische Luft durch eine Maske „einziehen“ können. Gleichzeitig kann sich, je nach Beschaffenheit der Maske abgeatmetes Kohlenstoffdioxid unter der Maske sammeln, dass bei jedem Atemzug rückgeatmet werden kann. Beide Faktoren führen zu schnellerem Außeratemkommen. Die Kälte führt zudem zu einem höheren Engergieumsatz, also auch zu einem erhöhten Abatmen von Kohlenstoffdioxid. Fitte Schüler mögen dies über lange Zeit „abkönnen“, der sprichwörtliche „pummelige Fritz“ aber, wird hier massiv benachteiligt. Auch Kinder mit chronischen Atemwegserkrankungen sind besonders betroffen. Wer bereits unter dem erhöhten Risiko einer Atemnot zu leiden hat, wird nun noch weniger leisten können. Diese Praxis ist nichts anderes als gelebte Exklusion. Außerdem birgt sie auch ein gewisses Risiko: Kinder kompensieren lange, aber dekompensieren schnell. Chronisch kranke Schüler sind so während des Sportunterrichts einem höheren Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Blanke Theorie? Nicht für ein Mädchen, dass sich bei solch einer Sportstunde erst einen milden Asthmaanfall einhandelte und dann nach Hause geschickt wurde, weil es hustete – es könnte ja Corona sein.

Freilich ist es im Moment nicht unbedingt möglich, mit einer kompletten Klasse in die Halle zu gehen. Daraus ergibt sich das verständliche und gut gemeinte Bedürfnis, den Unterricht nach draußen zu verlegen. Da kommt Jogging in der freien Landschaft natürlich am ehesten in Frage. Doch das stellt den Lehrer, der maximal noch mit einem weiteren Kollegen unterwegs ist, vor die Herausforderung, die Klasse zusammenzuhalten – gerade wenn es sich dabei um Grundschüler handelt. So wird der offiziell empfohlene Abstand unterschritten, um den wöchentlichen Laufausflug überhaupt möglich zu machen. Doch die Maske als Lösung? Alles was notwendig ist, ist doch den Abstand zu wahren – gibt es da nicht Einrichtungen mit ständiger Frischluftzufuhr, in denen es möglich ist, die Laufklasse auf 400 Meter Länge und unterschiedliche Bahnen zu strecken?

Okay, jetzt treiben wir zumindest schon mal draußen Sport. Super! Aber was ist denn mit dem Umziehen? Die Umkleiden müssen doch im Moment geschlossen bleiben! Kein Problem, Sportunterricht in Alltagsklamotten bringt es auch. Ihr glaubt das ist ein Scherz? Offenbar nicht für einen Sportkollegen einer weiterführenden Schule in Dortmund, wie einer dessen jugendlichen Schüler mir zutrug. Das bedeutet für den Rest des Tages in verschwitzten Sachen im Klassenraum zu sitzen. Na, wenigstens ist im Moment gut gelüftet!

Wer das für ironischerweise zweifelhafte hygienische Bedingungen hält, wird wohl nicht falsch liegen. Wer diese Beispiele für Einzelfälle hält, sehr wohl. Ich bin der Meinung: Sportunterricht auf Biegen und Brechen darf nicht möglich sein. Er ist nicht nur nervig, er geht auch auf die Kosten der Schwächsten und spielt den Maskenleugnern in die Hände. Wenn er nicht sogar höchstselbst neue Exemplare dieser Spezies erzeugt.

 

Es grüßt

 

Der Freddie

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